Blut bei Kindern » Blutzellen und Blutbildung

Das kindliche Blut und seine Besonderheiten

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und auch in ihrem Blut gibt es Besonderheiten. Befindet sich ein Baby noch im Bauch seiner Mutter, bildet es zum Beispiel seine Blutzellen nicht nur im Knochenmark, sondern auch in der Leber und der Milz. Die roten Blutzellen tragen einen speziellen Blutfarbstoff, der sich von der erwachsenen Form des Hämoglobins unterscheidet. Erst mit zunehmendem Alter gleicht sich das Blut bei Kindern langsam den Werten der Erwachsenen an.

Blut Zusammensetzung Bestandteile

Die Unterteilung der Blutzellen beim Kind

Rote Blutkörperchen:
→ Erythrozyten – Sie transportieren den Sauerstoffes

Blutplättchen:
→ Thrombozyten – dienen der Blutgerinnung

Weiße Blutkörperchen:
→ Leukozyten → Abwehrzellen des Immunsystem
→ Lymphozyten → Abwehrzellen des Immunsystem
→ Monozyten → Abwehrzellen des Immunsystem
→ Neutrophile, Basophile und Eosinophile Granulozyten

Blutzellen beim Kind, Rote Blutkörperchen

Die Blutbildung bei neugeborenen Säuglingen (Hämatopoese)

In der Gebärmutter herrscht ein geringerer Sauerstoffdruck als in der Umgebung außerhalb des Mutterleibes. Daher verfügen ungeborene Kinder über eine deutlich höhere Anzahl an Erythrozyten (roten Blutkörperchen) als Erwachsene. Sie benötigen die hohe Menge an Zellen, um eine adäquate Sauerstoffversorgung zu erreichen.

Zusätzlich besitzen sie eine spezielle Form von Hämoglobin, das fetale Hämoglobin. Es kann sich leichter mit Sauerstoff verbinden, als die erwachsene Form, das adulte Hämoglobin. Ist Dein Baby auf der Welt, baut es den fetalen Blutfarbstoff langsam ab und die erwachsene Form auf. Zusätzlich fällt die Anzahl an Erythrozyten.

In einem Alter von drei Monaten haben Säuglinge den niedrigsten Hämoglobinwert. In den folgenden Monaten bildet der kleine Körper vermehrt neue Blutzellen, bis nach und nach die Normwerte von Erwachsenen erreicht werden.

Blutbildung
Ablauf der Blutbildung, Hämatopoese Urheber: Mikael Häggström

Fakten zum Blut beim Kind

  • Die Normwerte im Blut bei Kindern weichen für viele Parameter deutlich von den Normwerten erwachsener Menschen ab.
  • Gesunde Neugeborene verfügen über deutlich mehr Erythrozyten (rote Blutkörperchen) als ältere Kinder und Erwachsene.
  • Der rote Blutfarbstoff liegt einmal als fetales Hämoglobin vor und einmal in der Erwachsenenform.
  • Säuglinge und Kinder haben deutlich höhere Normwerte für Leukozyten (weiße Blutkörperchen) als Erwachsene.
  • Thrombozyten (Blutplättchen) liegen im Blut bei Kindern in niedrigerer Anzahl vor als bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Das Blut bei Kindern enthält viele weiße Blutkörperchen

Auch für die weißen Blutkörperchen liegen bei Kindern Besonderheiten vor. Am ersten Lebenstag sind Leukozytenwerte normal, die circa vier Mal höher liegen als bei einem Erwachsenen. Bis zum zehnten Lebensjahr sinkt die Anzahl der weißen Blutkörperchen bei gesunden Kindern nach und nach, bis auch hier die Normwerte von Erwachsenen gelten.

Leukozyten gehören zum Immunsystem und wehren unter anderem eindringende Krankheitskeime ab. Bereits in Situationen, die Stress für Dein Kind bedeuten, wie eine Blutentnahme oder eine Operation, kann der Körper die Produktion der Leukozyten drastisch ankurbeln. Bestehen bei einer Laborergebnis Unklarheiten, wird sich der Kinderarzt in einer weiteren Blutprobe das Verteilungsmuster der weißen Blutkörperchen (Differenzialblutbild) ansehen, um eine Diagnose zu stellen.

Thrombozyten kommen aus dem Knochenmark

Zu Beginn des Lebens enthält das Blut bei Kindern weniger Thrombozyten (Blutplättchen) als im Jugend- oder Erwachsenenalter. Das Knochenmark, das für die Produktion der kleinen Zellen zuständig ist, ist noch unreif. Kindern sind daher anfälliger für eine Autoimmunerkrankung, die mit einer Verminderung der Blutplättchen einhergeht, die Immunthrombozytopenie (ITP).

Quellen und Literatur

  • Dr. Stephan, Definition der Blutzellen, Was sind Blutzellen weiter↑
  • Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009
  • A. Dormann, B.Isermann, C.Heer; Laborwerte; Urban und Fischer; München 2018
  • Dietrich Schweinitz, Benno Ure; Kinderchirurgie: Viszerale und allgemeine Chirurgie des Kindesalters; Springer Verlag, Heidelberg 2013

 

► Prüfung und Aktualisierung am von Jessica Kilonzo, Kinderärztin