Verdauungsprobleme beim Baby: Das sagt der Kinderarzt:

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Aller Anfang ist schwer: Wie Du Verdauungsprobleme beim Baby löst

Dein Baby ist auf der Welt und hat plötzlich ganz neue Aufgaben zu bewältigen. Der Magen-Darm-Trakt war im Bauch der Mutter quasi stillgelegt. Über die Nabelschnur kamen einfach und praktisch alle Nährstoffe in den Körper des ungeborenen Kindes.

Jetzt ist Trinken angesagt und dazu gehören auch viele komplexe Verdauungsprozesse. In den ersten drei Monaten haben viele Säuglinge, und damit auch ihre Väter, ordentlich zu kämpfen. Aber keine Sorge, es gibt hilfreiche Tipps von Hebamme und Kinderarzt gegen Verdauungsprobleme beim Baby. Den Rest erledigt die Zeit.

Verdauung beim Baby
Verdauung beim Baby in den ersten Wochen, Copyright: famveldman bigstockphoto

Das unreife Verdauungssystem und die Luft

Viele Babys leiden in den ersten Wochen und Monaten ihres Lebens an Blähungen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

  • Das Verdauungssystem ist neu in seinem Job und muss erst mal üben. Zusätzlich ist die Darmflora noch sehr unreif. Erst nach und nach siedeln sich mehr gesunde Keime im Darm Deines Kindes an und helfen bei der Verdauung kräftig mit.
  • Dein Säugling ist ebenfalls noch kein Profi beim Trinken, egal ob an der Brust oder aus dem Fläschchen. Er schluckt zu viel Luft, die sich dann in Magen und Darm breitmacht und dort Schmerzen verursachen kann. Die Schmerzen rufen jämmerliches Geschrei hervor, sodass Dein Baby wiederum viel Luft schluckt. Es entsteht ein unangenehmer Teufelskreis aus Blähungen, Schmerzen und Geschrei.

Fünf Fakten zum Thema Verdauungsprobleme beim Baby:

  1. Blähungen sind in den ersten drei Lebensmonaten am häufigsten und nehmen dann stark ab.
  2. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.
  3. Blähungen sind nicht die Ursache für Dreimonatskoliken oder das Geschrei von Schreibabys, sondern deren Folge.
  4. Ein gesundes voll gestilltes Baby kann mehrfach am Tag Stuhlgang haben oder nur eine volle Windel in 14 Tagen.
  5. Mit der Einführung des ersten Breis kann bei Deinem Baby eine Verstopfung auftreten.

Wie die Verdauung aussieht, wenn Dein Kind gestillt wird

Säuglinge, die Muttermilch erhalten, wechseln nach dem Ausscheiden des klebrigen schwarzen Mekoniums (Kindspech) rasch zu einem senfgelben flüssigen bis breiigen Stuhl. Du wirst Dich in den kommenden Wochen häufig im Drogeriemarkt aufhalten, denn die meisten Stillbabys haben die Windel nach jeder Mahlzeit voll.

Mit der Zeit legen sie aber gelegentlich ein paar Tage Pause ein, ohne dass Du Dir Sorgen machen musst. Bis zu zwei Wochen kann der Darm eines voll gestillten Babys manchmal brauchen, um den nächsten Stuhl auszuscheiden. Verdauungsprobleme beim Baby in der Form einer Verstopfung brauchst Du erst zu befürchten, wenn sich Dein Kind sichtlich quält, Bauchschmerzen hat und Du harten Stuhl in der Windel findest. Das ist bei der Ernährung mit Muttermilch aber selten.

Die Verdauung von Flaschenkindern

Muttermilchersatznahrung färbt den Stuhl schon früher braun und gibt ihm eine festere Konsistenz im Vergleich zu Muttermilchstuhl. Flaschenkinder haben regelmäßig eine volle Windel und der Stuhl riecht intensiv. Achte darauf, nicht zuviel Pulver in das Fläschchen zu rühren, um Dein Baby vor Verstopfung zu schützen. Halte Dich genau an die Anweisung auf der Packung.

Wann es Zeit für den Kinderarzt ist

Je jünger Dein Baby ist, desto eher solltest Du Dir einen Rat beim Kinderarzt holen. Verdauungsprobleme beim Baby sind meist harmlos, können Eltern und Kind aber auf die Dauer in unnötigen Stress versetzen. Achte darauf, ob Deine Tochter oder Dein Sohn gut an Gewicht zunimmt. Eine Gedeihstörung ist immer ein Warnzeichen. Weitere Symptome, die auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen können, sind zum Beispiel:

  • blutiger Stuhl
  • fehlender Stuhlgang, aber Abgang von blutigem Schleim
  • sehr heller bis weißer Stuhl
  • ein entzündeter Po
  • Erbrechen
  • Fieber oder Untertemperatur
  • ständige massive Schmerzen

Was Du gegen Verdauungsprobleme beim Baby tun kannst

Hat der Kinderarzt bestätigt, dass Dein Baby nur an unkomplizierten Blähungen leidet, kannst Du selbst etwas tun, um Deinem Kind zu helfen. Bewahre in erster Linie selbst die Ruhe, da es Deinem Baby nicht hilft, wenn es Deine nervöse Gereiztheit spürt.

  • Achte nach der Mahlzeit immer darauf, dass Dein Kind ausreichend aufstoßen kann. Halte es während des Trinkens möglichst aufrecht. Beim Stillen klappt das, wenn Dein Baby quasi auf Deinem Oberschenkel sitzt.
  • Massiere den kleinen Bauch regelmäßig, zum Beispiel beim Wickeln, mit warmem Kümmelöl im Uhrzeigersinn um den Nabel herum.
  • Lass Dein Baby in der warmen Badewanne entspannen.
  • Leg ihm ein warmes Kirschkern- oder Körnerkissen auf den Bauch.
  • Fenchel-Kümmel-Tee kann entblähend wirken.
  • Der Kinderarzt kann Deinem Kind Kümmelzäpfchen oder Dimeticon-Suspension verschreiben. Beide Medikamente können Blähungen bei Säuglingen lindern und haben keine gefährlichen Nebenwirkungen.
  • Trage Dein Baby im Fliegergriff mit dem Bauch auf Deinem Unterarm langsam durch die Wohnung.

Quellenangaben:

  • Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005