Richtig Medikamente einnehmen mit dem Kind
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Wie Kinder richtig Medikamente einnehmen

Kennst Du Mary Poppins? Das berühmteste aller Kindermädchen gab schon den Tipp, dass Medikamente mit einem Löffel Zucker leichter runterrutschen. Ganz so einfach ist das Medikamente einnehmen mit Kindern vielleicht nicht, aber mit etwas Übung nimmt auch Dein Kind sein Antibiotikum oder seinen Fiebersaft. Und vor Zäpfchen brauchst Du keine Angst zu haben. Ruhe und Geduld bringen Dich ans Ziel.

Kinder und Medikamente

In den ersten Lebensjahren ist Dein Kind wahrscheinlich regelmäßig von Infekten betroffen. Das ist ganz normal, denn sein Immunsystem trainiert noch. Da meist ein Virus die Ursache ist, braucht der kleine Patient nur selten ein Antibiotikum.

Aber es kann zum Beispiel sinnvoll sein, hohes Fieber über 39,5 Grad Celsius ab und zu zu senken. Je nach Alter und Gewicht Deines Kindes stehst Du vor der Wahl, ob Du Saft, Tabletten oder Zäpfchen verabreichen möchtest. Jede Darreichungsform hat Vorteile und Nachteile. Probiere aus, womit Deine Tochter oder Dein Sohn am besten zurechtkommt und lass Dich von Eurem Kinderarzt beraten.

Fünf Fakten aus der Kinderarztpraxis – Richtig Medikamente einnehmen mit Kindern:

  1. Geduld und Ruhe von Deiner Seite sind sehr wichtig. Setze Dein Kind niemals unter Druck oder drohe mit einer Strafe, wenn es ein Medikament nicht nehmen möchte.
  2. Medikamente für Kinder liegen zum Beispiel als Saft, Zäpfchen, Tropfen, Schmelztabletten sowie Kautabletten vor.
  3. Sprich mit Eurem Kinderarzt ab, ob Du das Medikament mit Getränken oder Nahrungsmittel mischen kannst.
  4. Erbricht ein Kind eine Medikamentendosis, kann es zu einer Überdosierung führen, wenn sofort noch eine Gabe erfolgt.
  5. Räume Medikamente immer kindersicher auf, denn es gibt tatsächliche kleine Patienten, die Fiebersaft lieben und sich mit der Einnahme einer ganzen Flasche in akute Lebensgefahr bringen können.

Verschiedene Medikamentenformen und passende Einnahme Tipps

Du kennst Dein Kind am besten und weißt, ob Du eher mit Vernunft, mit Bestimmtheit oder einer kleinen Bestechungsaktion ans Ziel kommst. Manchmal kannst Du den Patienten auch beim Wickeln überlisten oder eine Schlafphase nutzen, wenn es um die Gabe eines Zäpfchens geht.

Kinder: Zäpfchen oder Suppositorien

Für Babys und Kleinkinder eignen sich Zäpfchen ganz gut. Ob gegen Fieber, Erbrechen, Husten oder Blähungen, verschiedene Wirkstoffe kannst Du in dieser Form in der Apotheke kaufen. Selbst ältere Kinder können froh über ein Zäpfchen sein, wenn ihnen sehr übel ist oder sie mit dem Schlucken von Tabletten nicht zurechtkommen. Keine Sorge, das Medikament in den Enddarm einzuführen tut nicht weh, wenn Du ein paar Hinweise beachtest.

  • Mach es Deinem Kind gemütlich und erkläre ihm Dein Vorgehen, sodass es seinem Alter entsprechend alles versteht.
  • Ist Dein Kind eher ängstlich, hilft Ablenkung wahrscheinlich besser.
  • Lege den kleinen Patienten mit angezogenen Beinen auf die Seite.
  • Packe das Zäpfchen vorsichtig aus und achte darauf, dass es nicht zu kalt ist, falls Du die Packung im Kühlschrank aufbewahrst. Hältst Du das Medikament kurz in der Hand, wird es gleitfähig, schmilzt aber noch nicht. Bei Bedarf kannst Du den Darmausgang mit etwas Vaseline einreiben, aber bitte nicht das ganze Zäpfchen.
  • Halte die Beine Deines Kindes gut fest und schiebe das Zäpfchen mit der stumpfen Seite zuerst in den After. So passt sich die Form dem Enddarm an und das Medikament wird nicht gleich wieder rausgeschoben.
  • Drücke jetzt die Pobacken noch etwas zusammen. Über die gut durchblutete Darmschleimhaut nimmt der Körper den Wirkstoff schnell ins Blut auf.
  •  Kommt das Zäpfchen nach kurzer Zeit wieder zum Vorschein, eventuell zusammen mit Stuhlgang, schieb bitte nicht sofort die nächste Dosis hinterher. Warte zunächst ab oder probiere es bei Fieber zum Beispiel mit einem anderen Wirkstoff oder mit Saft. So vermeidest Du eine Überdosis.

Saft oder Suspension

Bis zum Schulalter wird der Kinderarzt Deinem Kind bei Bedarf einen Saft verschreiben. Das kann ein Antibiotikum sein, ein Medikament gegen Fieber, gegen Allergien oder ein anderer Wirkstoff.

Die Pharmafirmen achten auf einen kindgerechten Geschmack, aber manche Patienten haben da trotzdem eine andere Meinung und kneifen den Mund fest zu, wenn Papa mit dem Dosierlöffel kommt. Besorg Dir in diesem Fall eine Plastikspritze, falls diese der Verpackung nicht schon beiliegt.

Für Babys gibt es spezielle Schnuller, über die Du einen Medikamentensaft verabreichen kannst. Halte Dich genau an die vom Kinderarzt empfohlene Dosierung. Bei Kindern ist das Körpergewicht entscheidend, um eine Überdosierung zu vermeiden. Das Alter kommt erst an zweiter Stelle. Sogar ein Wirkstoff wie Paracetamol, den Du ohne Rezept in der Apotheke bekommst, kann der Leber Deines Kindes bei einer zu hohen Dosierung schaden.

  • Spritze den Saft in die Wangentasche des kleinen Patienten wenn er aufrecht sitzt, und gib ihm im Anschluss sofort sein Lieblingsgetränk mit einem Strohhalm.
  • Lass Dein Kind etwas mit Wasser und der Spritze experimentieren.
  • Sei vorsichtig mit Milch und Grapefruitsaft. Einige Medikamente vertragen sich mit diesen Getränken nicht. Frage zur Sicherheit vorher Euren Kinderarzt.

Tabletten in verschiedenen Formen

Ältere Kinder müssen so viel Saft nehmen, dass sie in vielen Fällen gerne auf Tabletten umsteigen.

Lasse Dich in der Apotheke beraten. Besonders gegen Fieber gibt es spezielle Schmelztabletten, die auf der Zunge zergehen oder Kautabletten, die Dein Kind nach dem Draufbeißen runterschlucken kann. Aromastoffe geben den Medikamenten einen Geschmack nach Orange oder Zitrone.

Lass Dein Kind probieren, womit es am besten zurechtkommt. Und zu Deinem Trost: Das Medikamente einnehmen mit Kindern wird von Jahr zu Jahr leichter. Es soll sogar Kindergartenkinder geben, die ohne mit der Wimper zu zucken die dicksten Tabletten schlucken.

Quellenangaben:

  • Schönau et al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer, München 2005
  • Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009