Kinderimpfungen verzichten
Kann man Kinderimpfungen weglassen? Copyright: REDPIXEL.PL bigstockphoto

Gibt es Impfungen die nicht notwendig sind?

Du sitzt im Sprechzimmer der Kinderarztpraxis und hältst Dein Baby auf dem Schoß. Heute ist die dritte Impfrunde dran und Dein Kind ist entsprechend misstrauisch. Dir ist auch ganz unwohl, aber Du reißt Dich zusammen und denkst daran, wie viele Krankheiten Du Deinem kleinen Schatz mit diesen wenigen kurzen Pieksen ersparen kannst.

Immerhin arbeitet Ihr heute sechs Krankheiten mit einer Injektion ab. Das spart Schmerzen und Zusatzstoffe. Trotzdem geht Dir ein Gedanke durch den Kopf. Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut) empfiehlt Deinem Kind Impfungen gegen 15 verschiedene Krankheiten. Aber welche Impfungen sind verzichtbar? Du beschließt, Euren Kinderarzt gleich nach der Impfung noch einmal genauer zu befragen.

Welche Impfungen sind verzichtbar?

Die STIKO trifft ihre Impfempfehlungen nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken sowohl für Dein Kind als auch für die gesamte Gesellschaft. Daher hat jede empfohlene Impfung ihren Sinn.

Eventuell kannst Du vereinzelte Impfungen zeitlich verschieben oder ganz weglassen. Eure individuelle Situation kannst Du zusammen mit dem Kinderarzt beurteilen.

Impfungen sind in Deutschland freiwillig

Niemand kann Dich zwingen, Dein Kind impfen zu lassen. Du als Vater bist es Deinem Nachwuchs aber schuldig, alles in Deiner Macht stehende für seine Gesundheitsvorsorge zu tun. Dazu gehört es, Dich umfassend zum Thema Impfung zu informieren und dann eine sinnvolle Entscheidung für Dein Kind zu treffen.

Die STIKO ist ein Gremium aus wissenschaftlichen Experten, das seine Empfehlungen ständig überarbeitet und aktualisiert. Die Empfehlungen der Impfkommission gelten in Deutschland als Standard in der Medizin. Auch Euer Kinderarzt orientiert sich daran, kann aber offen sein für individuelle Veränderungen.

  • Alle empfohlenen Impfungen haben ihre Berechtigung für Dein Kind und für die Gesellschaft.
  • Die STIKO hinterfragt und aktualisiert ihre Empfehlungen mindestens einmal im Jahr.
  • Welche Impfungen eventuell verzichtbar sind, können Eltern und Arzt nur individuell entscheiden.
  • Gegen weniger Erkrankungen zu impfen als empfohlen kann bedeuten, dass Dein Baby mehr Spritzen erhält, weil jede Komponente einzeln geimpft werden muss.
  • Das Immunsystem Deines Babys trifft jeden Tag auf eine große Anzahl von Fremdstoffen, auch ohne Impfung. Es trainiert und ist nicht so schnell überfordert.

Wie entscheidet die STIKO gegen welche Krankheiten geimpft wird?

Alle Erkrankungen, die auf dem Impfkalender der STIKO stehen, haben etwas gemeinsam. Sie sind Infektionskrankheiten, die weltweit noch nicht ausgerottet sind, einen sehr schweren Verlauf haben können und mit dem Risiko verbunden sind, Folgeschäden nach sich zu ziehen.

Als Vater hast Du das Bedürfnis, Dein Kind zu beschützen. Könntest Du damit umgehen, Deinem Kind die empfohlene Impfung zu verweigern und es dann doch krank zu sehen? Unsere Welt ist offen, Flugreisen ermöglichen Keimen sich in rasender Geschwindigkeit zu verbreiten.

Wie Eltern das Risiko abwägen können

Statistiken zeigen, wie sicher moderne Impfstoffe in der Verwendung sind und wie wenige ernsthafte Nebenwirkungen sie verursachen. Leider sind die seltenen Zwischenfälle im Zusammenhang mit Impfungen in der Presse sehr präsent und sprechen unsere Gefühle als Eltern dramatisch an.

Viele Väter und Mütter sind daher verunsichert, ob sie ihr Kind mit einer Impfung nicht in Gefahr bringen. Sprich in Ruhe mit Eurem Kinderarzt darüber. Natürlich ist auch eine Impfung nicht ohne Risiko, aber das Risiko, dass Dein Kind einen bleibenden Schaden davonträgt ist wesentlich geringer, als das Risiko, ungeimpft an einer schweren Infektion zu erkranken.

Auf welche Impfungen Eltern erfahrungsgemäß am ehesten verzichten

Die neuesten Impfungen werden mit Misstrauen betrachtet. Windpocken und Rotaviren sehen Eltern als wenig gefährlich an oder sie sind der Ansicht, dass es den Kindern bis jetzt doch auch nicht geschadet hat, die Krankheiten durchzumachen.

Windpocken sind aber besonders gefährlich für Neugeborene, für Kinder mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis sowie für Kinder mit einem geschwächten Immunsystem. Rotaviren verursachen schwere Brechdurchfälle.

Säuglinge, die selbst in eine Gemeinschaftseinrichtung gehen oder ältere Geschwister dort haben, sind besonders gefährdet. Sie stecken sich mit dem Rotavirus an und landen aufgrund der hohen Gefahr einer Austrocknung stationär in der Kinderklinik.

Hast Du die Möglichkeit, in der winterlichen Rotavirensaison auf Kontakt zu erkrankten Menschen zu verzichten, kannst Du eventuell auf die Impfung verzichten. Sprich mit Eurem Kinderarzt und nimm eine ausführliche Beratung in Anspruch. Nur so kannst Du eine verantwortungsvolle Entscheidung für Eure Familie treffen.

Quellenangaben:

  • Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
  • Stephan Heinrich Nolte, Maßvoll Impfen: Risiken abwägen und individuell entscheiden – Eine Orientierungshilfe für Eltern, Kösel Verlag 2016
  •  Informationsseiten über Impfungen des Robert Koch Instituts (www.rki.de)