Impfwindpocken
Impfwindpocken trotz Impfung Copyright: Yastremska bigstockphoto

Wie verlaufen Windpocken trotz Impfung bei Kindern?

Die empfohlenen Schutzimpfungen der STIKO nehmen die meisten Eltern in Deutschland ernst. Sicherlich ist Dein Kind auch gegen Windpocken geimpft. Entweder einzeln oder in Kombination mit den Impfungen, die vor Masern, Mumps und Röteln schützen.

Fünf Fakten zum Thema Windpocken trotz Impfung bei Kindern

  1. Der Impfstoff gegen Windpocken ist auch nach zwei Impfungen im ersten Jahr nach der Injektion am effektivsten.
  2. Die Effektivität der Varizellenimpfung lässt in den folgenden acht Jahren langsam etwas nach.
  3. Der Impfschutz ist etwas höher, wenn Kinder erst ab einem Alter von 15 Monaten geimpft werden (99 %), im Vergleich zu einem jüngeren Alter (73 %).
  4. Autoimmunerkrankungen wie die Neurodermitis oder das kindliche Asthma könnten die Wirkung der Impfung eventuell herabsetzen.
  5. Windpocken verlaufen nach einer Impfung in der Regel deutlich milder als bei ungeschützten Kindern und sind auch weniger ansteckend.

 

Jetzt sitzt Du aber hier mit Deinem dreijährigen, zweifach geimpften Kindergartenkind und wunderst Dich. Aus heiterem Himmel sind kleine rote Punkte überall am Körper aufgetaucht, die sich recht schnell in Bläschen verwandeln.

Fieber hat der kleine Patient nicht. Können das Insektenstiche sein? Aber so viele? „Es juckt!“, klagt der Nachwuchs. „Das sieht mir ganz nach den Windpocken aus!“, sagt die Oma. Du siehst noch einmal im Impfpass nach und fragst Dich dann, können Windpocken trotz Impfung bei Kindern auftreten? Euer Kinderarzt weiß die Antwort. Und dieser Ratgeber auch.

Nebenwirkungen beim Kind
Windpocken trotz Impfung Copyright: Laboko bigstockphoto

Windpocken trotz Impfung

Eine Impfung ist kein garantierter Schutz vor einer Erkrankung. Aber sie kann die Verläufe zumindest abschwächen. Windpocken gehen bei geimpften Kindern deutlich schneller vorbei, sind nur milde ausgeprägt und weit weniger ansteckend als die natürliche Form der Erkrankung.

Was Studien zur Impfung gegen Windpocken (Varizellen) zu sagen haben

In den USA wird schon länger gegen Windpocken geimpft als bei uns in Deutschland. Wissenschaftler konnten nach der Einführung des Impfstoffs im Jahr 1995 nach und nach einen Rückgang der Erkrankung um sagenhafte 90 Prozent beobachten.

Kleinkinder in Kitas und ähnlichen Einrichtungen waren vorher besonders gefährdet, da sich die Windpocken sehr rasch und effektiv verbreiteten. Mit der Impfung waren die Kinder geschützt. Trotz hoher Impfraten traten aber weiterhin Varizellen auf. Kinderärzte beobachteten ein neues Phänomen, die sogenannten „Durchbruchwindpocken“ bei circa 15 Prozent der geimpften Kinder.

Der Verlauf war milder, es traten weniger Komplikationen auf und die Varizellen waren deutlich weniger ansteckend für die Menschen im Umfeld.

Der Verlauf von Windpocken nach zweifacher Schutzimpfung

Ein Windpockenausschlag kann auch nach der Impfung gegen Varizellen noch wie ein Windpockenausschlag aussehen. Erst bilden sich überall am Körper Deines Kindes kleine rote Punkte, die sich rasch in Bläschen verwandeln und schließlich verkrusten. Dabei jucken sie etwas weniger im Vergleich zur Wildform der Varizellen.

Neben der Haut können auch die Schleimhäute betroffen sein. Selbst vor Mund, Nase und Genitalien machen die Viren nicht halt. Der Vorteil an den Durchbruchwindpocken ist aber, dass durchschnittlich nur 50 Windpocken auftauchen, im Gegensatz zu den 300 Bläschen, mit denen sich ungeimpfte Kinder herumschlagen müssen.

Es tritt auch kein Fieber auf oder die Körpertemperatur steigt nur leicht an. Deinem Kind geht es schon nach wenigen Tagen wieder besser. Das Risiko für Komplikationen wie zusätzliche bakterielle Infektionen oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) ist extrem gering.

Meningokokken-Impfung
Copyright: Numstocker bigstockphoto

Das Ansteckungsrisiko ist bei Durchbruchwindpocken geringer aber vorhanden

Auch mit weniger Bläschen auf der Haut und den Schleimhäuten ist Dein Kind leider ansteckend. Die Gefahr für sein Umfeld ist geringer als bei natürlichen Windpocken.

Trotzdem darf der Patient erst wieder in den Kindergarten oder in die Schule, wenn auch die allerletzte Windpocke eingetrocknet ist und eine Kruste gebildet hat. In manchen Fällen bilden geimpfte Kinder nur Knötchen und keine typischen Bläschen auf der Haut.

Irritieren Dich viele rote Pünktchen an Deinem Kind, die sich nicht zu Bläschen weiterentwickeln und auch keine Krusten bilden, hilft nur das geübte Auge Eures Kinderarztes weiter. Er kann einschätzen, ob Deine Tochter oder Dein Sohn akut ansteckend ist oder nicht.

Sonderform Impfwindpocken – Du erkennst sie am Zeitpunkt ihres Auftretens

Windpocken trotz Impfung ist das eine Thema. Wie sieht es aber mit Windpocken gerade wegen der Impfung aus? Euer Kinderarzt hat Dich sicher darüber aufgeklärt, dass eine Varizellenimpfung auch Nebenwirkungen haben kann.

Manche Kinder entwickeln im Rahmen der Windpockenimpfung eine Impfreaktion als Hautausschlag, der kleine Bläschen beinhalten kann. Kinderärzte sprechen auch von einer Impfkrankheit, in diesem Fall von den Impfwindpocken. Vielleicht hast Du schon einmal von Impfmasern gehört.

Da verhält es sich ähnlich. Windpocken im Zusammenhang mit der Impfung sind in der Regel harmlos und beeinträchtigen Dein Kind nicht sehr stark. Für gesunde Kinder in Eurem Umfeld sind diese Varizellen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ansteckend.

In Einzelfällen haben Ärzte beobachtet, dass sich anfällige Personen mit einem schwachen Immunsystem bei Kindern mit Impfwindpocken angesteckt haben.

Quellenangaben:

 

► Prüfung und Aktualisierung am von Jessica Kilonzo, Kinderärztin