Scharlach? Wir fragen den Kinderarzt

Kinderkrankheit Scharlach: Mit Hilfe welcher Untersuchungen der Kinderarzt die Diagnose findet

Dein Kind ist immer für eine Überraschung gut. Heute ist zu dem Fieber von gestern ein rauer roter Ausschlag hinzugekommen, der aber nicht zu jucken scheint. Halsschmerzen und Schluckbeschwerden stehen ebenfalls auf dem Programm und Du erinnerst Dich dunkel, dass letzte Woche etwas von „Scharlach“ am schwarzen Brett in der Kita stand.

Ist das nicht eine hoch ansteckende Kinderkrankheit? Es steht also eine Untersuchung beim Kinderarzt an.

Der Kinderarzt untersucht auf Scharlach Infektion – Copyright: VitaM bigstockphoto

Was ist Scharlach?

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Streptococcus pyogenes verursacht wird. Der Keim gehört zu den A-Streptokokken und tritt auf der ganzen Welt regelmäßig auf.

Nach einer relativ kurzen Inkubationszeit von 12 Stunden bis zu vier Tagen entwickelt Dein Kind charakteristische Symptome. Hohes Fieber und Halsschmerzen treten gemeinsam mit einer hochroten, geschwollenen Zunge (Erdbeerzunge) sowie einem kleinfleckigen roten Ausschlag an der Haut auf.

Der Ausschlag beginnt in den Leisten und breitet sich aus. Nur die Fußsohlen, die Handflächen und die Partie um den Mund bleiben verschont. Nachdem der Ausschlag wieder abgeblasst ist, kann sich die Haut schälen. An den Händen und Füßen wird es Dir wahrscheinlich am meisten auffallen.

Fünf Fakten zum Thema Scharlach und die notwendige Untersuchung beim Kinderarzt

  1. Scharlach ist eine sogenannte Blickdiagnose. Bereits in der körperlichen Untersuchung kann der Kinderarzt die Erkrankung
    anhand der typischen Symptome erkennen.

2. Ein spezieller Streptokokken-Schnelltest kann die Diagnose in wenigen Minuten bestätigen. Es ist lediglich ein Rachenabstrich
notwendig.

3. Bei schweren Verläufen kann der Labormediziner die Bakterien selbst sowie vom Immunsystem gebildete Antikörper im Blut
nachweisen.

4. Hat Dein Kind Scharlach, findet der Kinderarzt im Blut erhöhte Entzündungszeichen (Blutbild, CrP, Blutsenkungsgeschwindigkeit).

5. 20 bis 30 Prozent der Menschen in Deutschland tragen A-Streptokokken in ihrem Rachen mit sich herum und sind dabei völlig
gesund.

 

Verdacht auf Scharlach – Der Besuch beim Kinderarzt

Wenn Du mit Deinem Kind in der Kinderarztpraxis ankommst, berichtest Du am besten direkt an der Anmeldung (oder sogar schon vorher am Telefon) von den Symptomen und Deinem Verdacht auf Scharlach. Ihr könnt dann die Zeit bis zur Untersuchung in einem speziellen Wartezimmer für ansteckende Patienten verbringen.

Scharlach wandert schnell von Kind zu Kind und der Kinderarzt möchte unter den wartenden Patienten sicherlich keine Epidemie auslösen.

Das Anamnesegespräch

Sobald der Kinderarzt Zeit für Deine Tochter oder Deinen Sohn hat, hört er sich die Vorgeschichte an. Er möchte zum Beispiel wissen

  • seit wann Dein Kind krank ist,
  • ob es Fieber hat,
  • ob und wo es Schmerzen hat,
  • ob es essen und trinken kann,
  • wann und wo der Hautausschlag begonnen hat,
  • ob Dir weitere Symptome aufgefallen sind.

Auch chronische Erkrankungen sind wichtig zu erwähnen. Den Kinderarzt interessiert besonders eine mögliche Schwäche des Immunsystems. Falls Du weißt, dass Kinder oder Erwachsene in Eurem Umfeld gerade an Scharlach oder einer anderen ansteckenden Erkrankung mit Fieber und Ausschlag leiden, gib bitte auch diese wichtige Information an den Arzt weiter.

Die körperliche Untersuchung

Hat sich der Kinderarzt im Gespräch mit Deinem Kind und Dir ein erstes Bild der Symptome gemacht, geht es mit der körperlichen Untersuchung weiter.

Der Mediziner schaut sich den kleinen Patienten genau an und beurteilt zunächst den Hautausschlag. Handelt es sich tatsächlich um Scharlach, kann er die samtartigen kleinen roten Flecken mit dem Mundspatel vorübergehend wegdrücken.

Nach der Untersuchung von Herz, Lunge und Bauchorganen sieht sich der Kinderarzt die Schleimhaut des Rachens und die Mandeln an. Im Fall von Scharlach sind beide geschwollen, gerötet und mit weißen Belägen überzogen. Die Zunge erinnert mit ihren geschwollenen Geschmacksknospen an eine Himbeere oder Erdbeere.

Am Hals und im Kieferwinkel seitlich unter dem Kinn sind die Lymphknoten Deines Kindes angeschwollen, weil das Immunsystem mit der Abwehr der Bakterien beschäftigt ist.

Der Schnelltest, der Streptokokken entdeckt

Spätestens nach der körperlichen Untersuchung steht für den Kinderarzt fest, ob Dein Kind Scharlach hat oder nicht. Gibt es Zweifel an der Korrektheit der Diagnose, kommt ein sogenannter Streptokokken-Schnelltest zum Einsatz.

Dieser Test kann direkt in der Praxis innerhalb weniger Minuten durchgeführt werden. Der Arzt macht einen Rachenabstrich bei Deinem Kind und versetzt die Probe mit einer speziellen Reaktionslösung.

Ist der Schnelltest positiv, liegt bei Deinem Kind mit großer Wahrscheinlichkeit eine Infektion durch Streptokokken der Gruppe A vor. Allerdings zeigt ein negativer Test nicht sicher an, ob wirklich kein Scharlach vorliegt.

Zuverlässiger ist das Ergebnis einer Bakterienkultur aus dem Labor. Hier wird das Abstrichmaterial über mehrere Tage im Wärmeschrank bebrütet. Im Anschluss kann der Laborarzt die angezüchteten Keime identifizieren.

Die Entzündungswerte im Blut

Eine Untersuchung beim Kinderarzt kann bei Bedarf auch Bluttests einschließen. Das ist aber nicht immer notwendig. Der Mediziner entscheidet von Fall zu Fall, welche diagnostischen Schritte er Eltern und Kind empfiehlt.

  • Blutbild,
  • C-reaktives Protein (CrP) und
  • die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit

können generell Hinweise darauf geben, ob eine bakterielle Infektion im Körper Deines Kindes abläuft und wie stark ausgeprägt sie ist.

Eine Blutkultur gibt bei Verdacht auf eine Blutvergiftung (eine Sepsis) Aufschluss über einen möglichen Erreger.

Antikörper gegen Streptococcus pyogenes im Blut

Während das Immunsystem im Rahmen einer Scharlacherkrankung die A-Streptokokken bekämpft, bildet es spezielle Antikörper gegen die Erreger. Diese Eiweiße kann der Kinderarzt im Blut nachweisen.

Da die Abläufe einige Zeit dauern, ist es nicht sinnvoll, die akute Krankheit auf diese Weise zu diagnostizieren. Antikörper können später genutzt werden, um eine bereits abgelaufene Erkrankung an Scharlach nachzuweisen.

Der Kinderarzt nutzt diese Untersuchung zum Beispiel, wenn Dein Kind einige Wochen nach dem Scharlach am akuten rheumatischen Fieber erkrankt. Eine akute Nierenentzündung kann ebenfalls eine Folgeerkrankung nach einer Infektion mit Streptokokken sein. Auch hier weisen die Antikörper den Weg zur richtigen Diagnose.

Differenzialdiagnosen: wenn es doch kein Scharlach ist

Die eitrige Infektion von Rachen und Mandeln ist typisch für den Scharlach. Erst mit dem Ausschlag ist die Erkrankung aber komplett. Es gibt viele weitere Erkrankungen, die mit Fieber, Halsentzündung und einem Hautausschlag einhergehen.

Daher wird der Kinderarzt bei Bedarf einen Rachenabstrich bei Deinem Kind entnehmen, um dem Keim auf die Spur zu kommen, der die Symptome verursacht.

Ähnliche Erreger sind zum Beispiel:

  • andere Streptokokkentypen
  • Haemophilus influenzae
  • Staphylokokken
  • Moraxella catarrhalis
  • Neisserien
  • Adenoviren
  • das Epstein-Barr-Virus
  • Picornaviren

 

Diagnose Scharlach: Fragen zur Untersuchung beim Kinderarzt

Frage: Muss ich bei Anzeichen für Scharlach mit meinem Kind zum Kinderarzt gehen?

Antwort: Ja, bitte stell Dein Kind beim Kinderarzt vor, wenn es Dir Fieber, Halsschmerzen und einen Hautausschlag präsentiert. Zum einen ist Scharlach sehr ansteckend und Du kannst durch Unwissenheit andere Kinder in der Kita oder in der Schule gefährden. Zum anderen ist es besonders wichtig, dass der Kinderarzt den Scharlach bei Deinem Kind frühzeitig feststellt, weil dann auch die antibiotische Therapie rechtzeitig beginnen kann. So stehen die Chancen für Dein Kind am besten, dass sich die Streptokokken nicht ausbreiten und Folgeschäden anrichten.

Wann macht der Kinderarzt einen Streptokokken-Schnelltest?

Antwort: Für einen erfahrenen Kinderarzt ist der Scharlach mit seiner typischen Halsentzündung in Kombination mit einer Himbeerzunge und einem samtartigen, kleinfleckigen Ausschlag eine Blickdiagnose. Es treten aber auch Fälle auf, die nicht so eindeutig einzuordnen sind. Da der Kinderarzt einen Patienten nicht mit einem Antibiotikum behandeln möchte, wenn es gar nicht notwendig ist, kann er in diesem Fall den Streptokokken-Schnelltest einsetzen. Fällt der Test positiv aus, ist es sinnvoll, den kleinen Patienten mit einem passenden Antibiotikum zu behandeln.

Der Streptokokken-Schnelltest war positiv. Hat mein Kind jetzt Scharlach?

Antwort: Kommt Dein Kind mit Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden zum Kinderarzt, kann eine Mandelentzündung vorliegen. Um eine sichere Entscheidung zu treffen, was die Behandlung mit einem Antibiotikum angeht, kann der Mediziner einen
Streptokokken-Schnelltest bei Deinem Kind durchführen. Ein positives Testergebnis bedeutet, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit Streptokokken sind, die Dein Kind krank machen. Liegt aber kein Hautausschlag vor, hat Dein Kind nur eine Mandelentzündung und keinen Scharlach. Dem Erreger fehlen die passenden Giftstoffe, die die Kinderkrankheit in ihrer kompletten Form auslösen.

Frage: Wann nimmt der Kinderarzt meinem Kind zur Diagnose von Scharlach Blut ab?

Antwort: In der Kinderarztpraxis kannst Du davon ausgehen, dass Deinem Kind nicht leichtfertig Blut abgenommen wird. Viele typische Kinderkrankheiten erkennt der Arzt auch ohne beweisende Labortests. Geht es Deinem Kind soweit gut und es sind keine Komplikationen zu erwarten, nimmt der Kinderarzt auch kein Blut ab.

Kinder, die sich mit hohem Fieber und Anzeichen für eine bakterielle Erkrankung in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, kann der Mediziner in eine Kinderklinik einweisen. Dort wird bei der Aufnahme auch das Blut Deines Kindes auf allgemeine Entzündungszeichen und Bakterien im Blut (Blutvergiftung) untersucht.

Im Anschluss an eine Scharlacherkrankung kann es notwendig sein, die Antikörper gegen Streptokokken im Blut zu bestimmen. So kann der Kinderarzt eine Folgeerkrankung wie das akute rheumatische Fieber oder eine Nierenentzündung besser einordnen.

Benötigt mein Kind ein Attest vom Kinderarzt, um nach der Scharlacherkrankung wieder in die Kita gehen zu dürfen?

Antwort: Personen, die an Scharlach erkrankt sind, dürfen eine Gemeinschaftseinrichtung frühestens nach 24 Stunden Antibiotikagabe und dem Abklingen der Symptome wieder besuchen. In den meisten Kitas ist ein schriftliches Attest vom Kinderarzt nicht notwendig. Aber frage sicherheitshalber bei der Leitung Eurer Kita nach, wie sie mit Scharlacherkrankungen umgehen.

Mein Kind hat die typischen Symptome von Scharlach, aber es hat die Erkrankung doch bereits durchgemacht. Was hat das zu bedeuten?

Antwort: Eltern sind gewohnt, dass ihre Kinder typische Kinderkrankheiten wie Windpocken, Masern oder Mumps nur einmal bekommen und dann dagegen immun sind. Im Idealfall erledigt die empfohlene Schutzimpfung diesen Vorgang und Dein Kind wird gar nicht erst krank. Scharlach entsteht nach einer Ansteckung mit dem Bakterium Streptococcus pyogenes aus der Gruppe der A-Streptokokken.

Da es verschiedene Stämme dieser Bakterien gibt, kann Dein Kind immer wieder an Scharlach erkranken. Sein Immunsystem produziert nur Antikörper gegen exakt den Stamm, mit dem es sich angesteckt hat.

Quellenangaben:

  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
  • Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer, München 2005
  • Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009